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Der Lockdown – eine kreative Chance

Eine Zusammenschau der Erfahrungen einiger Mitglieder des Kunstschulteams

Hajrudin Diman empfand den Lockdown einerseits als „gesegnete Zeit der Entschleunigung, in der sich die Kreativität frei entfalten konnte.“ Andererseits fehlten ihm „der unmittelbare künstlerische Austausch und die allgemeinen sozialen Kontakte.“

Das Musik – und Kunstschulmanagement NÖ bot die Möglichkeit, den Unterricht online abzuhalten, und mit vielen SchülerInnen funktionierte dies recht gut.

Den Neustart der Kurse Anfang Juni erlebte Hajrudin regelrecht „enthusiastisch“, auch neue Anmeldungen hatte es während des Lockdowns gegeben. Schon bei den ersten Malakademie-Treffen bestätigte sich die Vermutung, dass sich während des Lockdowns der Fokus vieler Menschen auf die unmittelbare Umgebung zu richten begonnen hatte.

Die Jugendlichen waren mit Fotokameras unterwegs, um besondere Motive für ihre Acrylbilder zu finden und stießen gleich in unmittelbarer Nachbarschaft auf die bemalten Steine, die während der letzten Monate von vielen verschiedenen Menschen um die mit Rindenschnitzeln bedeckte Baum-Insel am Kirchenplatz gelegt worden waren. Die Spontaneität dieser Aktion floss nun auch in die Arbeit der Jugendlichen ein, denn jede(r) suchte sich einen Stein als Inspiration für das eigene Bild aus. Es ist beabsichtigt, die so entstandenen Bilder mit den inspirierenden Steinen auszustellen.

Auch Eva Kroner nutzte die Möglichkeit des Distance-Learnings und sendete drei Monate lang wöchentlich mittels verschiedener Medien Kunstimpulse an ihre Malkids. Besonders in den ersten Wochen beteiligten sich diese intensiv, malten und werkten zuhause. Die Kunstwerke wurden „durch die Welt geschickt“, reflektiert und in gemeinsame Galerien gestellt. Man telefonierte und diskutierte.

Im Zuge einer besonderen Aktion durften sich die Kinder ein großes Materialpaket bei Eva daheim abholen. Einige von ihnen bekamen sogar von den Eltern einen eigenen Kunst- Arbeitsplatz zuhause eingerichtet.

„Die Auseinandersetzung mit Kunst, das eigene praktische Tun zuhause“ erachtet Eva als „besonders wertvoll“, da für sie „Kunst und Leben zusammengehören“.

Als sie nach einiger Zeit bemerkte, dass auch einige Eltern und Geschwister sich von den Kunstimpulsen inspirieren ließen, lud sie offiziell die ganze Familie ein, sich praktisch künstlerisch zu beteiligen und Bilder zu schicken, was freudig angenommen wurde.

In einer Online-Ausstellung werden einige der vielen entstandenen Kunstwerke zu bewundern sein, auch wird die für den Mai 2020 geplante Ausstellung nächstes Jahr nachgeholt.

Eva selbst hat in dieser Phase „enorm viel gemalt und gezeichnet und immer wieder von ihren Malkids Feedback erbeten“.

Die TeilnehmerInnen ihrer Erwachsenenkurse malten zuhause intensiv weiter, schickten Bilder, erhielten Feedback und manchmal Material. Als es schon möglich war, wurde gemeinsam Outdoor gezeichnet.

Im Laufe des Juni wurde dann wieder in der Kunstschule gemalt – allerdings in kleineren Gruppen. Für die geplante Ausstellung, welche nächstes Jahr nachgeholt wird, sind bereits Kunstwerke in Hülle und Fülle vorhanden!

Manfred Hermann Bauch erlebte die Lockdown-Phase etwas anders. Grundsätzlich liegt sein Tätigkeitsschwerpunkt in Gänserndorf, wo es zunächst schwieriger war, per Mailkontakt mit seinen Malakademie-SchülerInnen zu kommunizieren. Einige Male klappte es aber relativ gut, sodass er im Laufe der Zeit und dank konsequenter Nachfrage von jedem seiner Schützlinge zumindest zwei Arbeiten zu gestellten Themen zugesendet bekam.

Ihm persönlich fehlten am allermeisten „die Gespräche und der Spaß am Zusammensein mit den Jugendlichen“. Von Beginn seiner diesbezüglichen Tätigkeit an war für ihn „das Herstellen einer Vertrauensbasis zu jedem einzelnen jungen Menschen wichtig, das Einlassen auf einander, um Gedanken zum Fließen zu bringen“ – eine Möglichkeit, die – so Manfred Hermann – „die Schule nie zu bieten imstande sein wird“.

Aufgrund von Sanierungsmaßnahmen wurde das Kulturhaus in Gänserndorf gleich bis 1. Juli geschlossen, weshalb Manfred Hermann im Juni mit seinen Jugendlichen eine Exkursion nach Wien unternahm, wo sie sich am Donaukanal mit den dortigen „Graffitis – zwischen Kunst und Schmiererei“ beschäftigten.

Dazu gehörten auch Spazieren, Plaudern, Skizzieren, Fotografieren, Diskutieren und das traditionelle gemeinsame Pizza-Essen am Schluss. Die restlichen Einheiten wurden auf Juli verschoben, was den Familien, die heuer kaum Urlaub machen, entgegenkam.

Die geplanten Aktivitäten der „Kunstvermittlung“ für die Kunstschule Wolkersdorf hat Manfred Hermann auf den Herbst verschoben, da er „noch bis Mitte September an einem großen künstlerischen Projekt arbeitet“.

Sigrid Rozanek konnte in der Zeit des Lockdowns ihre Kurse für Kindergartenkinder sowie einige geplante Wochenendworkshops für Familien klarerweise nicht durchführen.

Online-Unterricht für Kindergartenkinder erscheint ihr nicht sinnvoll, nicht zuletzt deshalb, weil es für diese Zielgruppe besonders darum geht, „ungehemmt und frei mit Farbe und Materialien experimentieren zu dürfen, was zuhause schwer möglich ist“.

Auch die Familienworkshops sind geprägt davon, in geeigneten Räumlichkeiten eine Fülle von kreativen Angeboten wahrzunehmen und sich dabei mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Daher beschränkten sich die Kunstschulaktivitäten auf SMS und E-Mails an die Eltern, welche so über den jeweiligen aktuellen Stand der Dinge und mögliche Zeiträume für einen Neustart informiert wurden, sowie über die neuen Bedingungen (Stichwort: Hygienemaßnahmen zur Vermeidung der Ausbreitung von Corona), unter welchen die Veranstaltungen künftig stattfinden würden.

Sigrid selbst nützte die Zeit, um manches auszuprobieren und vorzubereiten, was sie mit den TeilnehmerInnen umzusetzen plante, u.a. das Herstellen von und das Malen mit Naturfarben und Experimente mit Tusche und Kleisterfarben.

Schließlich konnten dann im Juni noch vier Kurseinheiten mit den Kindergartenkindern stattfinden und für den Sommer drei Workshop – Termine festgelegt werden.

Dankenswerter Weise stellt die Gemeinde künftig für Outdoor – Aktivitäten der Kunstschule den Schinkele – Garten zur Verfügung, sodass bei geeignetem Wetter auch an der frischen Luft in einem geschützten Rahmen gearbeitet werden kann (Fototouren oder Malen im Park und Ähnliches wurden ja auch schon früher durchgeführt). Dies wird uns auch bei der Kunstschulwoche für Kinder im Juli zugutekommen.

Erwähnenswert erscheint zu guter Letzt, dass sich bei fast allen KursleiterInnen während des Lockdowns neue Interessentinnen gemeldet und seit dem Neustart auch schon aktiv an Kunstschulangeboten teilgenommen haben. Das Bedürfnis nach künstlerischem Schaffen ist also erfreulicherweise ganz offensichtlich beflügelt worden!

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